Dona Carmen e.V. lädt Journalisten ausdrücklich aus! – Verfassungskrise?

Dona Carmen e.V. lädt Journalisten ausdrücklich aus! - Verfassungskrise?

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Ein Hoch auf die Pressefreiheit! – Ein Hoch auf die Meinungsfreiheit!

Der Koffer war schon fast gepackt, das Bahn-Ticket (Sparpreis) längst gekauft, das Hotel bereits frühzeitig gebucht, um am kommenden Freitag, dem 16.12.2016 an dem Koordinierungstreffen zur geplanten Verfassungsbeschwerde teilzunehmen. Ich hatte mich ordnungsgemäß angemeldet, hatte eine Bestätigung bekommen und war guter Dinge. Vorallem war ich auf die Vorstellung der Klageschrift sehr gespannt und hatte mir schon einige grundlegende Fragen überlegt, die ich gerne in die Diskussion einbringen wollte.

Flöte gepfiffen! Nachdem ich Dona Carmen für die Einladung und die Anmeldebestätigung per Mail gedankt hatte und für die Initiative auch medial die Werbetrommel gerührt hatte, erreichte mich heute morgen eine Mail von Juanita Henning, in der meine „Zulassung“ (man beachte das bezeichnende Wort) zur Veranstaltung zurückgenommen wurde. Oh Schreck!

Nun werde ich ja in diversen Foren als „Sexworker-Schreck“ verunglimpft und es wäre ja möglich gewesen, dass man dies in Frankfurt vernommen hätte und man einen solchen Tunichtgut einfach nicht dabei haben will. Aber die Begründung war eine ganz andere:

Sehr geehrter Herr Chance,

aufgrund Ihrer Mail vom 11.12.2016 sehen wir uns gezwungen, Ihre Zulassung zum zweiten Koordinierungstreffen am 16.12.2016 zurückzunehmen. Sie schreiben uns, dass Sie bei Huffington Post / Focus online von dem Koordinierungstreffen berichten werden.

Wir möchten Sie hiermit darauf hinweisen, dass wir grundsätzlich keine
Journalisten zu dem Koordinierungstreffen bezüglich der Verfassungsklage
gegen das Prostitutiertenschutzgesetz zulassen. Das war schon beim ersten Treffen im September 2016 so, das werden wir  auch weiterhin so handhaben.
Dona Carmen e. V. sieht sich in der Verantwortung, den freimütigen
Prozess der Meinungsbildung und Entscheidungsfindung bezüglich der Klage
gegen das Prostituiertenschutzgesetz in einem geschützten Raum
stattfinden zu lassen. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt besteht kein Interesse, die eine oder andere Aussage auf dem Treffen anschließend im öffentlichen Raum, sei es in den Medien oder in den so genannten sozialen Netzwerken, wiederzufinden.

Wir haben mit dieser grundsätzlichen Haltung auf den von uns in mehreren
Jahren durchgeführten „Frankfurter Prostitutionstagen“ gute Erfahrungen
gemacht und werden das auch in diesem Falle so handhaben.

Wir haben daher bereits entsprechende Anfragen anderer Journalisten auf
Teilnahme am zweiten Koordinierungstreffen abschlägig beschieden und
werden im Sinne der Gleichbehandlung hiermit auch Ihnen gegenüber so
verfahren.

Wir bitten um Ihr Verständnis unserer Position und darum, diese
Entscheidung zu respektieren.

Wir werden selbstverständlich das Ergebnis des Treffens vom 16.12.2016
der interessierten Öffentlichkeit in einem zusammenfassenden Statement
bekanntgeben. Darauf können Sie sich dann gerne beziehen.
Zu einem späteren Zeitpunkt, wenn es der Entscheidungsprozess sinnvoll
erscheinen lässt, werden wir sicherlich zusammen mit anderen Beteiligten
der geplanten Verfassungsklage eine Pressekonferenz einberufen.
Dazu sind Sie selbstverständlich eingeladen.

Mit freundlichen Grüßen
Juanita Henning

Fürchtet man in der Frankfurter Elbestrasse die bekannte „Lügenpresse“ oder verfährt man wie damals die SED, die dem „Neuen Deutschland“ die selbstgeschriebenen Artikel schickte, damit meinungskonform berichtet wurde?

Wie will man eine breite Öffentlichkeit für ein Vorhaben gewinnen, wie will man Spenden sammeln, wenn man der Öffentlichkeit und den Medienvertretern den Zutritt verweigert und damit den Eindruck erweckt, etwas verbergen zu wollen? Die sogenannte 4. Macht im Staat ist meinungsbildend, meinungsverbreitend und hat zudem eine wichtige Kontrollfunktion. Welche Suppe wird denn da am Main gekocht und warum will man sich nicht positionieren?

„Gemeinsam an einem Strang ziehen!“ … Das war das Motto der Einladung … Lach!

Das Vorhaben von Dona Carmen betrachte ich nach wie vor als unterstützenswert. Die Art des Agierens und der selbstgewählten Ausgrenzung finde ich recht seltsam! Dies sehen auch einige lokale Medienvertreter ähnlich wie ich und dementsprechend werden bei der irgendwann einmal stattfindenden „Pressekonferenz“ sicher auch einige Leute fernbleiben, u.a. die, die ihre „Zulassung“ diesmal verloren haben und sicher auch die, die vorgefertige Texte abdrucken sollen!

In diesem Sinne „Glück auf!“ und ein Frohes Fest!

PS … ich fahre natürlich am Freitag trotzdem nach Frankfurt, da ich noch andere erfreuliche Termine vereinbart habe, wo es nicht so merkwürdig zugeht, wie beim Verein in der Elbestraße. Ein Segen!

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